Ein Bürgermeisterkandidat einer Grevenbroicher Partei stellte fest:
"Wir brauchen eine bessere ärztliche Versorgung. Deshalb werde ich als Bürgermeister so schnell wie nur möglich ein Medizinisches Versorgungszentrum in
Grevenbroich realisieren und als Träger auch im laufenden Betrieb aktiv mit Rat und Tat unterstützen."
STARTEN WIR DEN FAKTEN-CHECK!
Was ist eigentlich ein MVZ?
Ein MVZ ist ein ärztlich geleitetes medizinisches Versorgungszentrum, in der mehrere Ärzte unter einem Dach zusammenarbeiten, um eine ambulante medizinische Versorgung anzubieten.
Es handelt sich um eine Kooperationsform, in der Ärzte als Angestellte oder Vertragsärzte tätig sein können. MVZ können von Ärzten, Krankenhäusern oder anderen Leistungserbringern im Gesundheitswesen gegründet werden. auch von Kommunen.
Die Finanzierung
Es handelt sich vorrangig um privat organisierte Modelle.
Ein kommunales MVZ muss seine Kosten im Verhältnis zu den Einnahmen steuern, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. In manchen Fällen kann ein MVZ auch als Zuschussbetrieb geführt werden, insbesondere wenn der Versorgungsauftrag im Vordergrund steht. In strukturschwachen Bereichen zum Beispiel.
Die Sinnhaftigkeit
Fest steht: In Grevenbroich erreichen wir aktuell eine Hausarztversorgungsquote von 90,7 %.
Wenn das fachärztliche Angebot eines Medizinischen Versorgungszentrums das Hausärzte-Angebot sinnvoll ergänzt, kann der Betrieb die Gesundheits-Infrastruktur bereichern.
Falls nicht, entstehen Konkurrenzsituationen, die durchaus spannungsreich sein können.
Andererseits kann durch ein MVZ in strukturschwachen Gebieten viel gebündelt und ausgeglichen werden.
Grevenbroich ist aber kein strukturschwaches Gebiet.
Die Entscheidung für oder gegen ein MVZ braucht eine sorgfältige Abwägung.
Diese ist nicht ohne Beteiligung der Kassenärztlichen Vereinigung und weiterer Instanzen zu treffen.
FAZIT
Das Versprechen, so schnell wie möglich ein Medizinisches Versorgungszentrum in Grevenbroich zu realisieren und als Träger auch im laufenden Betrieb aktiv mit Rat und Tat unterstützen, basiert nicht auf Fachwissen.
Die geringe Versorgungslücke im hausärztlichen Bereich spricht ebenso dagegen, wie die hohen Kosten und Betriebsrisiken eines MVZ, die am Ende zu Lasten der Bürger:innen gehen würden.
Allein das Klagerisiko von niedergelassenen Hausärzten gegen ein kommunales MVZ wegen einer möglichen Wettbewerbsverzerrung ist hoch. Zudem würden Bürger: innen doppelt zur Kasse gebeten:
Einerseits finanzierten sie die Leistungen der niedergelassenen Ärzte und eines möglichen kommunalen MVZ durch ihre Beiträge zur gesetzlichen und privaten Krankenversicherung; andererseits wären sie an den wirtschaftlichen Risiken eines kommunalen MVZ über ihre Steuern und Abgaben beteiligt.
Wenn es um die Gesundheit geht, sollte man Wunsch und Wirklichkeit differenziert betrachten.
Hier dürfen vermeintliche Lösungen nicht als Wahlgeschenk in Aussicht gestellt werden. Das ist unverantwortlich. Bei der hausärztlichen Abdeckungsprechen wir von einer potentiellen Versorgungslücke von 10%.
Das rechtfertigt keine wirtschaftlichen Abenteuer wie die Gründung eines kommunalen MVZ.
